Fattoria Mantellassi: ein Rückzugsort zwischen Erde, Ironie und Leidenschaft
Ein Projekt, bereichert durch die Leidenschaft von Margherita Bacci und die Zuneigung vieler Freunde, in Zusammenarbeit mit dem Studio LTG. Ein Geschenk an das Gebiet, um die Erinnerung an Fabrizio Mantellassi stets lebendig zu halten.
Es gibt ein Mittelalter aus vollkommenen Himmeln, engelsgleichen Frauen und unerreichbaren Lieben, wie es Dante besang. Und dann gibt es ein Mittelalter aus Fleisch, Staub, Lachen und irdischen Leidenschaften. Von diesem letzteren, dem authentischen und respektlosen Mittelalter Cecco Angiolieris, ist die Restaurierung dieses alten Bauernhauses in Quarrata inspiriert. Fern von Konventionen und makellosen Geometrien umfasst das Projekt das Leben in seiner wahrsten und menschlichsten Form und verwandelt ein Landhaus und seinen alten Schuppen, die sich um eine kleine, intime Piazza schmiegen, in eine wahre Reise in die Seele des Menschen. Während in den Innenräumen die durchdringende Kraft des Feuers und der natürlichen Elemente erkundet wird, ist das Erdgeschoss eine Hymne an die Lebensfreude, entstanden aus den berühmten Versen, in denen der sienesische Dichter seine Natur bekennt: „Drei Dinge allein sind mir lieb… die Frau, die Taverne und der Würfel".
Der Atem der Gastfreundschaft: „Die Damen"
Beim Überschreiten der Schwelle trifft man als Erstes auf die Rezeption, die auf die Baumallee und die bewirtschafteten Felder blickt. Sie ist nicht als bloßer Durchgangsraum gedacht, sondern als Umarmung. Sie ist eine Hommage an die „Dame", an die Schönheit der Begegnung und an jenes „schöne Leben", dem Angiolieri nachjagte: ein heller Ort, der atmet und die Ankommenden empfängt, um sie auf die Loslösung von der Hektik der Außenwelt vorzubereiten. Der Raum erkundet die tiefe und komplexe Beziehung zwischen der harten Mühe der Arbeit und der Liebe zu ihr. Im Zentrum zieht ein imposanter Tisch den Blick auf sich, gefertigt aus einer massiven Nussbaumplatte. Darunter ruht, fast von den vielen Eisenbeinen gefangen, ein Einachsschlepper: das roheste und repräsentativste Symbol des bäuerlichen Lebens, hier gezähmt, um Teil des häuslichen Herdes zu werden. An den Wänden entfaltet sich eine Galerie von Bildern, in denen ein lebendiger Farbbereich das wahre Wesen der Berufe enthüllt und die Werkzeuge der Vergangenheit mit künstlerischer Würde zeigt. Hinter dem Tisch sticht ein Rahmen hervor, der die Werkzeuge des Polsterers einschließt: ein intimes und bewusst gewähltes Detail, um die Wurzeln, die Identität und die Rolle von Fabrizio zu betonen.



Die Wärme des Essens: „Die Taverne"
Die Reise geht weiter in die Küche, das pulsierende Herz des Teilens. Hier wurden die geschichtsträchtigen Möbel nicht entfernt, sondern durch neue Farben wiedererweckt, wodurch eine Brücke zwischen bäuerlicher Vergangenheit und Gegenwart entsteht. Dieser Raum verkörpert das Wesen der „Taverne": den Ort des Essens, des erhobenen Glases und der ehrlichen Gespräche. Von der Decke hängen Glasgefäße, die einst zur Aufbewahrung von Küchenprodukten dienten und heute Erinnerungen und Gelächter bewahren. Eine feine, wunderbare Ironie liegt im Raum: Wenn man den Blick zu einer kleinen Öffnung in der Wand hebt, erkennt man die Figuren toskanischer Spielkarten. Eine Herzdame mit leicht geröteten Wangen schaut neugierig hervor, um zu beobachten, wer kocht. Es ist ein Spiel der Blicke, ein theatralischer Auftakt zu dem, was jenseits der Schwelle wartet.



Das Theater der Erinnerung: „Der Würfel"
Der letzte Raum, der sich zur Tenne hin öffnet, ist der Raum des Spiels, der Leidenschaften. Es ist kein einfacher Salon, sondern eine Zeitkapsel, der Ort des „Würfels", des Spiels und der Flucht. Hier atmet man die Atmosphäre der alten toskanischen Abendrunden, in denen man sich versammelte, um Geschichten zu erzählen. Jeder Gegenstand in diesem Raum ist eine offene Klammer des Lebens:
- Die Melodie im Kamin: Im Bauch des riesigen toskanischen Kamins ruht unerwartet ein weißes Klavier. Auf seiner Oberfläche stechen die von Lunardi handgezeichneten Figuren hervor. Es sind die Menschen, die an diesem Projekt gearbeitet haben, die Zuneigungen seines Alltags. Es ist ein Bild von entwaffnender Poesie: Berührt man diese Tasten, stellt man sich vor, dass die Musik sich nicht im Raum verliert, sondern durch den Schornstein emporsteigt und sich wie Rauch und Erinnerung in den Himmel befreit. Über diese Magie wacht ein altes Paar Skier aus den 1930er-Jahren.
- Die Weggabelungen des Lebens: An einer der Wände erwacht eine Szenerie aus Türen zum Leben, einige real, andere vorgetäuscht oder angelehnt. Sie stehen für die unzähligen Wege, die Leidenschaften im Lauf unseres Daseins eröffnen. Wenn man sie überschreitet, entdeckt man verschiedene Welten: die Flucht eines Bildschirms, die Tiefe einer Bibliothek, das Geheimnis einer aufwärtsführenden Treppe. Eine ständige Einladung, niemals aufzuhören, neugierig zu sein.
- Kindheitsechos und mechanische Lichter: Der Raum ist voller gelebter Leben. Ein altes Möbelstück mit vielen Schubladen ist eine Schatztruhe der Kindheit: Beim Öffnen tauchen Sammelbilder, Schachbretter und Bleisoldaten wieder auf. Die sprunghafte Energie eines Cross-Motorrads aus den 1970er-Jahren ruht in einer Ecke, während ein Kofferplattenspieler, mit Plektren eingelegt, darauf wartet, alte Melodien zu spielen. Die Szene wird vom mechanischen Blick der Vergangenheit erhellt: Die Scheinwerfer eines Renault 4 und das Auge eines Lastwagens verwandeln sich in charaktervolle Lampen.
- Das wiederentdeckte Meisterwerk: Unter dem warmen Licht eines dieser Scheinwerfer ruht der eingelegte Sessel, geschaffen von einem lokalen Handwerker und von Mantellassi erworben. Jahrelang unvollendet geblieben, findet er in diesem Raum endlich seinen Abschluss. Er wurde mit einem lebendigen Patchwork bezogen, das die Stoffe aller anderen Räume vereint: Er ist nicht mehr nur ein Sessel, sondern die taktile und visuelle Synthese des gesamten Bauernhauses.



Die Wohnräume der vier Elemente
Der Atem des Bauernhauses entfaltet sich weiter in vier Apartments, Hütern der ursprünglichen Kräfte, die die Welt formen: Erde, Feuer, Wasser und Luft. Jedes ist ein sinnliches Universum, in dem sich die Alchemie der Elemente mit familiärer Erinnerung und handwerklichem Einfallsreichtum verbindet. Gerade in diesen Räumen wird das Echo von Cecco Angiolieri stärker und konzeptueller. Die Wohnräume greifen nämlich die Provokation seines berühmten Reims „S'i' fosse foco" auf und ehren sie. Die natürlichen Elemente werden nicht als abstrakte Wesenheiten verstanden, sondern als Spiegel menschlicher Temperamente: Das Feuer, das die Welt verbrennt, das Wasser, das alles mitreißt, der Wind, der peitscht, verwandeln sich in lebendige Ausdrucksformen der Leidenschaften, die jene bewegen, die diese Räume bewohnen.
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Wurzeln und Materie:
Das Zimmer der Erde
— „Wenn ich Kaiser wäre, wisst ihr, was ich täte? Allen würde ich den Kopf abschlagen…"
Im Erdgeschoss gelegen, ist diese Unterkunft ein materieller Anker. Das Bett empfängt die Ruhenden unter einem Himmel aus verchromten Knöpfen, die in das Kopfteil eingelassen sind und die Erd-Sternbilder nachzeichnen, Stier, Jungfrau und Steinbock, während die Stoffe deren warme Farbtöne aufgreifen. Im Flur feiern die Streifen des Schranks und das alte alchemistische Symbol in Form eines umgekehrten Dreiecks das Wesen der Erde. Ein Spiel von Verweisen prägt den Raum: Die Vorhänge zeigen eine geschwungene Grafik, die planetarische und zodiacale Symbole miteinander verflicht, und die Nachttischlampen nehmen die Form kleiner Monde an, als Anspielung auf den ewigen Dualismus zwischen unserem Planeten und seinem Satelliten. Im Badezimmer umhüllt Moos den Spiegel, und das rohe Holz des Waschbeckens verwurzelt den Raum in der reinsten Natur. -
Funken und Geist:
Das Zimmer des Feuers
— „Wenn ich Feuer wäre, würde ich die Welt verbrennen".
Im ehemaligen Heuboden entstanden und auf zwei Ebenen verteilt, brennt das Apartment des Feuers vor Symbolik. Im unteren Geschoss ist der Tisch eine alte Tür des Hauses, unter Glas konserviert. Ein Schild an der Wand trägt die Insignien des Rione Drago der Giostra dell'Orso von Pistoia und wacht über einen Raum, der von einem weißen Möbelstück, einst Kerzenhalter einer Kirche, und einer traditionellen toskanischen Madia geprägt ist, die in ihrem Inneren die Kochnische zwischen flammenden Geometrien verbirgt. Darüber hängen zwei Bettwärmer aus dem frühen 20. Jahrhundert, einst mit Asche gefüllt, nun von der Decke, um Licht auszustrahlen. Das Badezimmer dieser Ebene spielt mit einer feinen transmutativen Ironie: Das Waschbecken ist ein altes Weihwasserbecken, das Feuer als Geist der Seele, auf einem Tresen aus Weinkisten ruhend und an das ewige Spiel des Wunders von Wasser, das zu Wein wird, erinnernd. Über die Treppe, geführt von einem dreieckigen Handlauf, Symbol des Feuers, gelangt man an die Spitze des Heubodens. Unter alten hängenden Öllampen ist das Schlafzimmer eine Hymne an die Flamme: Die Feuer-Sternbilder schmücken das Kopfteil des Bettes, Widder, Löwe und Schütze, während an den Seiten zwei Reisigbündel Lampen tragen, die an vestalische Urnen erinnern. Zwei poetische Details fangen hier die Seele ein: eine Badewanne, die genau auf den Punkt ausgerichtet ist, an dem die Sonne am Geburtstag von Margherita untergeht, und ein farbig gestreifter Vorhang mit Blick auf die Lavendelfelder, eine lebendige Hommage an den Künstler Daniel Buren und seine mit dem Gebiet von Pistoia verbundene Kunst.
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Waschungen und Abgründe:
Das Zimmer des Wassers
— „Wenn ich Wasser wäre, würde ich ihn ertränken"
Rechts fließt das Wasser in unerwarteten Formen. Das Wohnzimmer wird von alten hängenden Glasballons beleuchtet. Die Hommage an Fabrizios Handwerk als Polsterer ist spürbar: Die kleinen Sofas sind aus einer aufgeschnittenen Badewanne gefertigt und werden von alten Arbeitsgestellen getragen. Nachdem man eine weitere Tür-Tisch-Konstruktion und den Schrank mit seinem alchemistischen Wassersiegel passiert hat, taucht man in ein Badezimmer mit nautischer Atmosphäre ein, geprägt von Messing und Leuchten, die an das Innere eines U-Boots erinnern. Im Schlafzimmer schweben durchlöcherte Eimer von der Decke und streuen Lichttropfen, umgeben von alten Fischereigeräten und den Fotografien des Architekten, die die Baustelle und das Gebiet im Zeichen des Wassers erzählen. Neben dem Bett mit seinen Sternbildern, Krebs, Skorpion und Fische, sind die Nachttische aus Netzen gefertigt, die Flusskiesel umschließen und von innen leuchten. -
Atem und Freiheit:
Das Zimmer der Luft
— „Wenn ich Wind wäre, würde ich ihn mit Sturm überziehen"
Links von der Treppe feiert das Apartment der Luft die Leichtigkeit. Das Wohnzimmer empfängt die Gäste mit blauen Vogelkäfigen, die von der Decke hängen und bewusst offen bleiben, als Hymne an Flucht und Freiheit. In der Mitte ist einer der Sitzplätze am Tisch eine Schaukel, direkt an den Balken befestigt, während eine alte Leiter an der Wand hängt. Luft wird hier auch als Reinigung verstanden: Im Schlafzimmer bestehen die Leuchter aus alten Sieben, mit denen früher das Korn im Wind geworfen wurde, um es von Unreinheiten zu befreien. Die wiederverwendeten Nachttische sind von Öffnungen durchzogen, sodass Luft und Blick sie in einem ständigen Fluss durchdringen können. An der Wand spannt ein alter „Proto-Airbrush", ein Werkzeug, das Luft zum Malen nutzte, Fäden zu einem Mosaik aus Fotografien, die von den Architekten aufgenommen wurden. Auch hier ist das Kopfteil des Bettes mit den entsprechenden Sternbildern versehen, Zwillinge, Waage und Wassermann. Sogar das Badezimmer atmet nach außen: Der Spiegel ist in ein geöffnetes Fenster eingelassen, unter dem ein kleines Waschbecken in Schreibtischform dazu einlädt, den Blick zum Horizont schweifen zu lassen.
Der Übergang: Steintreppen und taktile Details
Der Aufstieg in die oberen Etagen erfolgt, wenn man über die Tenne kommt, durch den Haupteingang. Am Boden trägt eine Fliese die Identität des Ortes mit der Signatur der Mantellassi. Die alten und steilen Steintreppen, ein authentischer Spiegel des bäuerlichen Lebens, werden von einem konzeptuellen Handlauf begleitet. An der Seite flüstert ein Morsecode die Buchstaben „M" und „F", Margherita und Fabrizio. Auf der Oberseite bilden Polsternägel eine Botschaft in Braille. Wenn man beim Hinaufsteigen die Hand über die Stufen gleiten lässt, liest man zunächst Fabrizios Credo: „Die Schönheit des Lebens erkennt man am Detail", gefolgt von einem weiteren Zitat des Meisters Angiolieri: „Wenn du gesund bleiben willst, tu, was dir Freude macht".


Die Piazza, der Anbau und das fünfte Element
Im Außenbereich, nach Süden ausgerichtet, öffnet sich die Piazza, der Schoß, der die Energie der umliegenden Gebäude sammelt: das Bauernhaus, ein altes Waschhaus im Westen und der industrielle Anbau. Beim erneuten Ausheben des Geländes kamen riesige alte Steine ans Licht, die so neu positioniert wurden, dass Erde und Gras zwischen ihnen atmen konnten. Die Piazza selbst ist ein Mandala der Elemente: die Erde in den Steinen und im Rasen, das Feuer im Terrakotta und im Ziegel, das Wasser in den Flusskieseln und die Luft in der zum Himmel erhobenen Mauer. Im Zentrum erhebt sich, als fünftes Element zusammenlaufend, majestätisch eine Korkeiche: das Leben.
Der Anbau bildet die theatralische Kulisse dieses Hofes. Einst ein Unterstand für Werkzeuge und ein Ort von Schweiß und Arbeit, hat seine Restaurierung diese Bestimmung nicht verraten. Einrichtung und Oberflächen folgen einer rauen, industriellen Ästhetik und lassen Kabelkanäle sowie technische Elemente sichtbar, um seine produktive Geschichte zu würdigen.



Das Siegel des Cherubs
Die ganze Erzählung dieses Rückzugsortes ist in seinem runden Logo eingeschlossen, einem Emblem voller Legende und Geometrie. Es entsteht aus der lokalen Toponymie: Wenige Schritte vom Landgut entfernt, nahe den Überresten einer Kirche aus dem 9. Jahrhundert, befindet sich das Gebiet, das „Cherubino" genannt wird. Die Legende erzählt von Bauern, die beim Pflügen der Felder neben der Kirche eine Holzkiste fanden. In der Hoffnung auf einen Schatz entdeckten sie stattdessen den unversehrten Körper eines Kindes, das sich, kaum der Welt ausgesetzt, in Staub und Luft auflöste und nur das Echo eines engelhaften Wesens zurückließ.
Cherubim sind in der Tradition Engel mit vier Köpfen, tief verbunden mit den vier Elementen und den Evangelisten. Im Logo nehmen sie durch vier Flügel Gestalt an, die jedoch, mit der gewohnten respektlosen Ironie, die das Bauernhaus durchzieht, keine Federflügel sind, sondern kraftvolle Drachenflügel. Vervollständigt wird dieses Wappen durch die alchemistischen Symbole der Natur, das Jahr des Erwerbs in römischen Ziffern und, im Zentrum von allem, das Monogramm „MF": Margherita und Fabrizio. Zwei vereinte Buchstaben, die tiefe Wurzel, aus der all diese Schönheit entstanden ist.